Ein Seniorentreff der besonderen Art

An den Jahresringen eines Baumes kann man die guten und die mageren Jahre seines Lebens ablesen. So haben auch die Senioren des Seniorentreffs der St. Markusgemeinde in Erlangen darüber nachgedacht, was im Laufe ihres Lebens gewachsen ist, zur Blüte kam, Früchte trug oder noch im Werden ist …

Mit einem winzigen Samenkorn beginnt das Wachstum eines Baumes. Die Baumscheibe zeigt es uns. Sie ist ein Stück Natur mit einer Geschichte, die sich entwickelt hat. Gemeinsam mit den Senioren entwickelte sich ein Bodenbild ganz im Zeichen eines „wachsenden Baumes“ übertragen auf das eigene Leben.

Vom dünnen und noch schwachen Pflänzchen, entstand aus einem noch winzigeren Samenkorn, ein Baum, um dessen Kern sich Jahr für Jahr ein neuer Ring legt. Jeder Ring hat eine andere Form. Ein gutes Jahr setzt kräftige Zeichen, ein sparsames Jahr lässt den Ring wenig wachsen. Verborgen in den Jahresringen liegt die gelebte Zeit. Hinter der Rinde wächst still und langsam der Baum. Diese Mitte ist dann stark und fest. Es sind keine mit Zirkel gezeichneten, gleichmäßig runden Jahresringe, die sich Jahr für Jahr an einander gereiht haben.

Auch in unserem Leben gibt es diese unsichtbaren Jahresringe. Auch in unserem Leben reiht sich Jahr an Jahr. Auch bei uns gibt es keine geometrisch genauen Kreise. Jedes Jahr entwickeln wir uns anders – manchmal zeichnet sich der neue Ring auch wackelig und holprig. So entstand ein Bodenbild im Zeichen des Baumes mit seinen wachsenden Ringen. Verborgen in den Jahresringen liegt die gelebte Zeit. Hinter der groben Rinde wächst still und langsam der Baum. Der Baum ist Symbol unseres Wachstums und unserer Persönlichkeitsentwicklung.

Wie der Baum – so sind wir die Geschichte unseres Gewordenseins. Dies gilt es zu würdigen. Damit gilt es zu leben. Es war ein Nachmittag mit vielen schönen Erinnerungen, mit traurigen Erinnerungen und mit Erinnerungen die das Leben – die eigenen Jahresringe geprägt haben und man daran gewachsen ist. Für die Senioren war die Kett-Pädagogik bis dato unbekannt. Es bestand aber gleich der Wunsch zeitnah wieder auf diese besondere ganzheitliche Weise zu philosophieren, nachzudenken, zu sehen und zu spüren.

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendlang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.“ (Rainer Maria Rilke)

Johanna Jazina

2 Gedanken zu „Ein Seniorentreff der besonderen Art

  1. Inge Wagner

    Super, die Kett-Pädagogik von Kindern und Jugendlichen auf Senioren zu erweitern! Auch in dieser Altersgruppe kann mit der Grundhaltung und der Symbolarbeit dieser Pädagogik viele Zusammenhänge erschlossen, Lebens- und Glaubenserfahrungen vertieft und erweitert werden.
    Herzlichen Dank für diesen Beitrag!

    Antwort
    1. Dagmar Kretz

      Ein sehr schöner Gedanke, dieses Rilke-Gedicht und das Bild vom Baum in dieser Weise zu verbinden und ein Art Biografiearbeit mit der Kett-Pädagogik zu gestalten. Habe ich sehr interessiert gelesen und hat mir gut gefallen. Vielen Dank!

      Antwort

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