Treffen der Trainer/innen in Freising

Die eigentliche Ausbildung ist abgeschlossen, doch wir haben den Wunsch, uns weiterhin einmal jährlich ein Wochenende zu treffen. Warum? Die Antwort liegt nicht nur auf der Hand, sondern ebenso in Hirn und Herz: Kontakt halten, Beziehung pflegen, gewachsene Herzensverbundenheit vertiefen. An Themen arbeiten, unsere Arbeit reflektieren, die Pädagogik immer mehr zu erfassen und auch weiter zu entwickeln versuchen. Gemeinsam singen, tanzen, beten, erzählen, gestalten, feiern …

Die drei thematischen Schwerpunkte des Treffens hätten jeder für sich ein eigenes Wochenende füllen können, aber den Referenten gelang eine gute Mischung aus in sich geschlossenen Einheiten sowie Impulsen zum Weiterdenken.

Am Freitag Abend ging es um Biographiearbeit. Margot Eder umriss deren Grundzüge und Bedeutsamkeit für das Verstehen der eigenen Vergangenheit, die Gestaltung der Gegenwart und den Entwurf von Zukunft. Letztlich zielt die Biographiearbeit darauf hin, das eigene Leben in allen zeitlichen Dimensionen bejahen zu können – und berührt damit ein Kernanliegen unserer Pädagogik. Ein Stück des je gegenwärtigen Lebens konnten wir in einer Erzählrunde voneinander erfahren. Es tut gut, in dieser Vertrautheit Schönes und Schweres miteinander zu teilen. So wurde es auch eine Form der Daseinsbejahung.
Weitere Gemeinsamkeiten erkannten wir in der Salutogeneseforschung von Aaron Antonowsky, die Hubert Klingenberger mit seiner Art der Biographiearbeit verknüpft hat. Sie benennt körperliche, soziale, psychische und materielle Ressourcen (analog unserer ganzheitlichen Ausrichtung) sowie das Kohärenzgefühl = Gefühl von Zusammenhang und Sinn im Leben, ebenfalls ein zentraler Wert der Kett-Pädagogik.

Der Samstag Vormittag war dem Thema Konflikte gewidmet. Aufbauend auf zwei theoretische Grundlegungen in früheren Ausbildungssequenzen, wandten wir uns nun praktischen Situationen zu. In Kleingruppen besprachen wir je ein anderes Fallbeispiel aus der Kurspraxis und erarbeiteten individuelle Lösungsschritte. Die Vielfalt und Qualität der Ergebnisse waren beeindruckend. Ein großes Lob an Margot, die auch diesen Teil vorbereitet und moderiert hat und die von uns eingesandten Beispiele mit Bearbeitungsimpulsen versah.

Am Samstag Nachmittag sprach Franz Kett über die Anschauung als eine Sichtweise der Wirklichkeit wie auch als pädagogischer Zugang zu dieser Sichtweise. In der praktischen Einheit führte er uns in die Betrachtung einer inneren Wirklichkeit, dem Teilen können. Dies entfaltete sich eingängig in Spiel, Lied, Gestaltung, und es stand lebendig vor Augen, wie Kinder hier eintauchen.

Eine Weiterführung mündete in die Erzählung vom Brotwunder: Nachdem Jesus die Herzen gesättigt hat, trägt er den Jüngern auf, für leibliche Sättigung zu sorgen. Ein Kind ist es, das die Einfalt und Kraft des Teilens aufbringt, die sich fortsetzt, auf wundersame Weise die Herzen bewegt, bis alle satt werden können.

Eine zweite Anschauung setzte – ungewohnt – an der Ich-Es-Beziehung an und stellte mit Alltagsgegenständen auf spielerische Weise die Wichtigkeit des Wassers vor Augen.
Die Wertschätzung und Dankbarkeit hatte auch hier ihren Raum, drückte sich in der Mittegestaltung aus sowie im Ruf „Unser tägliches Wasser gib uns heute“.

Der Übergang zur Ich-Du-Beziehungsaufnahme: fließend.

Den Gottesdienst am Sonntag gestalteten Franz und Cyril mit der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Es war einer von vielen dichten Momenten dieses Wochenendes, in dem Innenschau ermöglicht wurde.

„In den Kreis der Trainer aufgenommen bist du schon lange – jetzt gibt’s noch das Papier dazu.“ – Mit diesen Worten gratulierte Margot und überreichte das Zertifikat an Wigbert Spinrath, der zur Mitlgiederversammlung in Würzburg nicht hatte da sein können. Eingebracht hatte er sich tags zuvor schon mit einem vielschichtigen Morgenlob, das u.a. auch mal (in der Kett-Pädagogik sonst arg vernachlässigte) „Männerarbeit“ integrierte …

Nachdem Franz uns erneut mit seiner Energie angesteckt hatte („Jetzt geht’s erst richtig los!“), war bei der anschließenden Inforunde Tatendrang zu spüren, Projekte wurden vorgestellt, Veranstaltungen angekündigt.

Raimund Wolf lud abschließend mit einem schönen Bild zu Rückschau und Fazit ein: leere Notenzeilen regten an, dem persönlichen Nach-Klang des Treffens zu lauschen und einander davon mit zu teilen.

Am Ende stand ein vielstimmiger Dank an alle, die das Wochenende so gut organisiert und inhaltlich gestaltet haben.

Und wer sich jetzt angesprochen fühlt, die Kett-Pädagogik in dieser Weise künftig mit zu tragen und weiter zu entwickeln, dem sei die Trainerausbildung warm empfohlen.

Dagmar Kretz

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