Mit mehr als alles Sinnen das Göttliche suchen …

fachtagung-2017-18Aus vielen Ländern machten sich am ersten Februar-Wochenende Mitglieder unseres Instituts auf den Weg. Ziel war das Haus mit dem schönen Namen „Himmelspforten“ in Würzburg, in dem heuer unsere jährliche Fachtagung stattfand …
Mitgliederversammlung: Unser Institut bekommt einen neuen Namen!

Der Freitag war wie immer für die jährliche Mitgliederversammlung vorgesehen.
Neben dem Bericht des Vorstandes über das vergangene Jahr war heuer die gemeinsame Entscheidung über einen neuen Namen unseres Instituts ein wesentlicher Punkt der Tagesordnung. Eine Namensänderung nach mehreren Jahren des Bestehens ist durchaus ein großer Schritt, der einer sorgfältigen Überlegung bedarf.

fachtagung-2017-01Der Vorstand hatte entsprechend dem Auftrag aus der letztjährigen Fachtagung viel Vorarbeit geleistet und stellte uns einen neuen Namen zur Entscheidung vor: Institut für Kett-Pädagogik e.V. Da der lange Weg unserer ganzheitlich sinnorientierten Pädagogik auch im Bewusstsein vieler Pädagoginnen und Pädagogen untrennbar mit dem Namen Franz Ketts verbunden ist, haben die Mitglieder diesen Vorschlag nach einer lebendigen Diskussion fast einstimmig angenommen. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass Franz Kett selbst deutlich darauf hinweist, dass die Entwicklung unserer pädagogischen Arbeit nur gemeinsam mit vielen wertvollen Wegbegleitern möglich war und er dies bei der Wahl des Institutsnamens zu bedenken geben möchte. Er hat jedoch aufgrund der Argumente und der mehrheitlichen Meinung seine Zustimmung zur Namenswahl gegeben.

Also heißen wir nun „Institut für Kett-Pädagogik e.V.“! Die Satzung, unser Logo und die Kontaktdaten werden in der kommenden Zeit entsprechend geändert.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Neubesetzung des Zertifizierungsausschusses: Hanni Neubauer, Georg Batzer und Elisabeth Gaßner scheiden aus, neu hinzu stoßen Maria Steinfort, Anita Würkner und Margot Eder als freies Mitglied. Die einen wurden mit herzlichem Dank verabschiedet, die anderen mit fröhlichem Applaus begrüßt. Auch die neu zertifizierten Mitglieder 2016 wurden geehrt.

Der vergnüglichste Punkt – Danksagungen für besonderes Engagement verschiedener Art – rundete unsere Mitgliederversammlung ab. Auch die engagierte und strukturierte Arbeit unseres Vorstands wurde mit langem Applaus honoriert!

Jens Ehebrecht-Zumsande führte durch den Abend, moderierte unsere Gesprächsrunden mit Klarheit und Humor und hatte auch die Zeit im Blick, sodass trotz eines langen Abends im Anschluss noch etwas Zeit für die „Taverne“ blieb.

Fachtagung: „Mit allen Sinnen das Göttliche suchen“

fachtagung-2017-13Dr. Iris Mandl-Schmidt, Akademische Mitarbeiterin der PH Schwäbisch Gmünd und Privatdozentin an der Universität Tübingen, gestaltete als Referentin die Fachtagung am Samstag. Übergreifendes Thema dieses Tages war der Begriff der „Mystagogie“.

Vormittag: Blick auf die Sache und auf uns

Am Vormittag legte Frau Dr. Mandl-Schmidt der Schwerpunkt auf den fachlich-theologischen Hintergrund, lenkte aber den Blick auch auf den jeweils eigenen Glauben im Hinblick auf ‚Mystagogie‘.

Zunächst ging es um den Begriff der Mystik, einen theologischen Begriff für eine Geisteshaltung, der aber in der Theologie nicht einheitlich definiert ist.

In der christlichen Tradition lassen sich gewisse Schritte oder wesentliche Elemente auf dem Weg zu einem mystischen Leben benennen, so z.B. vorbereitende Haltungen wie Disziplin, Konzentration, Geduld, außerdem die Eingebundenheit in eine christliche Theologie, ein Erfahrungskern und das Aushalten der ‚Spannung von Bild und Bildlosigkeit‘, also der Erkenntnis: „Gott ist immer anders“. Ein letzter Schritt wäre die spirituelle und moralische Transformation des Mystikers, also die Entwicklung einer Persönlichkeit, die sichtbar gewachsen ist.

Im Anschluss ging Frau Dr. Mandl-Schmidt auf den Begriff der Mystagogie ein, der bereits aus der Antike stammt und insbesondere von Karl Rahner wieder aufgegriffen wurde. Für Karl Rahner ist wichtig: Man muss mit dem Glauben etwas erfahren und erleben.

Wesentlich mit der Mystagogie verbunden ist das ‚Geheimnis‘, in das hineingeführt wird, dem nachgegangen wird und Erfahrungen, die dadurch ermöglicht werden. Im einem engeren Verständnis geht es um das Hineinführen in das Geheimnis der christlichen Sakramente. Ein weiteres Verständnis von Mystagogie blickt auf das Geheimnis des Lebens, des Glaubens und der Liebe.

Auf diesem Hintergrund gab die Referentin in einem dritten Schritt dann Impulse zur Reflexion des eigenen Glaubens. An dieser Stelle seien einige dieser Impulse als Stichworte angeführt:

  • Unser Glaubensbekenntnis und das jahrhundertelange Ringen um das Fassen in Worte, insbesondere im Hinblick auf das Gottsein und Menschsein Jesu
  • Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung des Glaubens nehmen, z.B. Zeitmangel im Alltag oder das Lebensmilieu
  • Der sogenannte „garstige Graben“, also Faktoren, die den eigenen Glauben in Frage stellen können oder eine Auseinandersetzung damit erfordern, wie z.B. die Lehre von Darwin oder Erlebnisse des Scheiterns
  • ‚Mystiker sein‘ ist im Bewusstsein des modernen Menschen nicht mehr so einfach
  • Praktizierung des christlichen Glaubens als Geheimnis und Lebensphilosophie
  • Jesus als ein Wegweiser zu Gott

„Welche Dimension des Glaubens arbeitet in mir?“

fachtagung-2017-14Der Vormittag wurde abgeschlossen mit einem Gespräch und Erfahrungsaustausch im Kleingruppen zu mehreren Aspekten der eigenen Glaubensentwicklung, z.B. „Gräben oder Brücken in meinem Glauben“; „Wodurch wurde mein Glaube geprägt?“ oder die Bedeutung von Liturgie und Ritualen in meinem Glauben“.

Nachmittag: Blick auf die Pädagogik und auf das Kind

Am Nachmittag ging es dann um „mystagogisches Lernen“, um Konzepte in der Religionspädagogik. Im Mittelpunkt steht das erfahrungsorientierte Arbeiten: Wie kann ich etwas erleben und erfahren?

Auch beim mystagogischen Lernen lassen sich ein engeres und ein weiteres Verständnis dieses Begriffs unterscheiden: Im engeren Sinne geht es dabei wiederum um das Lernen der christlichen Geheimnisse, also um die christlichen Sakramente und auch um biblisches Wissen. In einem weiteren Verständnis mystagogischen Lernens geht es darum, zu entdecken, was schon wunderhaft da ist und dies als Gotteserfahrung verstehen zu lernen. Es geht darum, jemanden mitzunehmen in ein Erlebnis. Karl Rahner sagt: „Mystagogisches Lernen ist …, Gotteserfahrung als immer schon gegebene zu erkennen.“

Zu religionspädagogischen Konzepten der Mystagogik gehört es,

  • eine Kultur des Fragens und Philosophierens zu entwickeln
  • in Phänomenen der Welt Spuren Gottes zu suchen
  • menschliche Grunderfahrungen mit Gott in Verbindung zu bringen
  •  mit Erfahrungen umgehen zu lernen

Mystagogisches Lernen ist nicht auf der ausschließlich kognitiven Ebene möglich, es geht vielmehr um Erleben, Deuten und das Ableiten von Handlungsimpulsen.

Der Rest des Nachmittags widmete sich dann Umsetzungsmöglichkeiten in der Arbeit mit Kindern anhand konkreter Beispiele, z.B. dem Erzählen einer Geschichte, dem Umgang mit Gleichnissen, dem Ermöglichen von Stille.

Neben dem Vortrag war während der Fachtagung auch immer wieder Raum für Diskussion und Austausch. Natürlich war dabei für uns auch interessant, das von uns vertretene ganzheitlich-sinnorientierte Bilden und Erziehen mit mystagogischem Lernen in Beziehung zu setzen und daraus Impulse für unsere Arbeit zu erhalten.

Gemeinsamer Gottesdienst

fachtagung-2017-17Cyril Havel gestaltete und feierte mit uns unseren traditionellen gemeinsamen Gottesdienst, diesmal am Samstag Abend: „Im Anschauen Deines Bildes werden wir verwandelt in dein Bild“. In der dichten und ruhigen Atmosphäre konnten auch wir Teilnehmer innerlich ruhig werden – und wir sind im wahrsten Sinne des Wortes durch unseren schönen gemeinsamen Gesang ‚miteinander in Einklang gekommen‘, sodass wir am Ende des Gottesdienstes noch spontan Liedwünsche eingebracht und ein wenig weitergesungen haben!

Morgenlob

Eva Fiedler feierte mit uns zusammen am Sonntag das Morgenlob. Das Symbol des Hauses als Bild für uns selbst, ein schönes Märchen zur Bedeutung des Lichtes und die biblische Aussage „Du bist das Licht der Welt“ stimmten uns auf den Sonntag ein.

Eine Anschauung von Franz Kett: Unsere Erde – Ort des Lebens

fachtagung-2017-26Nach einem guten Sonntagsfrühstück hat Franz Kett mit uns – und für uns – eine Anschauung gestaltet. Dicht und ganz gesammelt war die Atmosphäre, als er den Anfang allen Lebens, die Entfaltung des Kosmos und die Existenz des Menschen in enger Verbundenheit mit der Größe und Weite des Kosmos für uns erleb- und erfahrbar machte. Gleichzeitig und ‚wie von selbst‘ ergab sich daraus ein Nachdenken und Betroffensein über Probleme der Gegenwart wie etwa den Ressourcenverbrauch, die Klimaveränderung oder die Umgangsweise der Menschen untereinander. Auf diesem Erfahrungshintergrund erhielt dann die Erzählung von der Geburt Jesu und seine Bedeutung als „Lotse“ oder Wegweiser eine eindringliche Bedeutung.

In seiner schlichten, wesentlichen und so erfahrenen, authentischen Art hat uns Franz Kett mit dieser Einheit bereichert und die gemeinsamen Tage auf besondere Art und Weise abgerundet.

Abschließende Reflexion

fachtagung-2017-28Das Symbol des Schlüssels führte in die abschließende Reflexion und die Verabschiedung. Gefüllt mit vielen Eindrücken, aber auch mit dem Ausblick auf die nächste Fachtagung im Januar 2018 in der Nähe von Regensburg, machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg.

„Und sonst“?

Während der Fachtagung ist natürlich immer auch Zeit und Raum für persönliche Begegnung, ernste und heitere Gespräche und den einen oder anderen gemeinsamen Umtrunk bei mitgebrachten Spezialitäten aus verschiedenen Ländern und Regionen. Neben den Inhalten ist also auch die „Freizeit“ sehr wertvoll für uns und für den Kontakt untereinander – denn wann sonst haben wir, die wir so weit verstreut sind, schon diese Gelegenheit!?

Eine Besonderheit bei unserem diesjährigen Treffen war die Anwesenheit eines Filmteams, da ein Film über unsere Art und Weise des ganzheitlich-sinnorientierten Erziehens und Bildens und Franz Kett entstehen soll. Zu gegebener Zeit werden wir auf der Homepage darüber informieren!

Dank

„Ich möchte einfach danke sagen“ – dieses Lied haben wir während der drei Tage des öfteren gesungen und am Ende richtig gut beherrscht! Denn Gründe zum Danken gab es viele: Dem Vorstand für die stimmige Planung und Organisation; mehreren unserer Mitglieder für die Gestaltungen der einzelnen Elemente und nicht zuletzt allen Teilnehmern für ihr Mitdenken, Mitfeiern und ihr Dasein.

Elisabeth Gaßner

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