Fortbildung in Pécs in der Pädagogik von Franz Kett

PecsWie im vergangenen Jahr hat Edit Sipos, Katechetin der Theologischen Hochschule von Pécs, auch in diesem Sommer einen Kurs für die ganzheitlich sinnorientierte Pädagogik von Franz Kett angekündigt …

Abgesehen vom vorigen Jahr war die Fortbildung dieses Jahres in zwei Teilen geplant gewesen: die ersten drei Tagen in der Woche von 27. Juni war gedacht für die vorherigen Teilnehmer und für Interessierte (ca. 50 Personen), der zweite Teil war eine von Franz Kett und Cyrill Havel geleitete Gruppenarbeit und für Fachgespräche bestimmt. Der Grund der Einladung war die langjährige Beziehung zu Herrn Kett mit den Interessierten aus Ungarn und der Diözese Oradea und Alba Iulia zu intensivieren.

Die Katecheten von Rumänien halten alle die spirituelle Erneuerung der Katechese in der Schule und in der Pfarrei sehr wichtig, und dafür finden sie die ganzheitlich sinnorientierte Religionspädagogiksehr geeignet. Der Gründer dieses reformpädagogischen Ansatzes ist der 83. Jahre alte Pädagoge Franz Kett, der eher über einen Weg spricht, und nicht über Methode, weil das eine kontemplative Dimension hat.

Dank der immer weiter vertiefenden Beziehungen mit Franz Kett, Cyril Havel und Edit Sipos, öffnet sich ein Weg auch für die Katecheten aus Rumänien für eine Bildungsreihe im kommenden Jahr. In dem folgenden Text liest man einen Bericht unserer Katechetinnen:

Vakon Orsolya, Katechetin in Marghita, Teilnehmerin des Kurses am Juni 24-29:
„Ich finde es ist ein Geschenk Gottes, dass einer der Leiter des Kurses in diesen Tagen selbst der Gründer dieses Weges war. Der Katechet, der auf diesem Weg schreitet, kann den Jugendlichen dazu helfen, vor allem sich selber zu begegnen, und sich für Mitschüler und Gott öffnen.
Franz Kett ist für mich ein Vorbild nicht nur als Katechet und Pädagoge, sondern auch als Mensch mit seiner Glaubhaftigkeit, Demut und Lebensfreude.

Es war hauptsächlich keine theoretische Fortbildung. So tat dies nach dem Abschluss des Studienjahres sehr gut. Durch praktische Tätigkeiten gewannen wir eine tiefere Einsicht in die Kett-Pädagogik. Wir wurden selber auch Kinder: wir freuten uns zusammen, haben zusammen erschaffen, waren kindlich neugierig, und haben zusammen viele Emotionen bei den einzelnen Geschicklichkeitstätigkeiten erlebt. Wir haben das Erlebnis der Neugier erfahren, und haben uns möglichst tief berühren gelassen. Unsere Seele wurde erfrischt. Es war ein echtes geistliches Exerzitium – wie einer von uns gesagt hat.

In diesen drei Tagen ist es für uns klargeworden, dass das eigentliche Ziel dieses Weges ist, zur Einsicht zu gelangen, und erfahren zu lassen, dass „es gut ist, dass ich da bin”. Das haben die Übungen und die Tätigkeiten verstärkt. Wir waren zum gemeinsamen Tun und Denken eingeladen, es gab keine Erwartung, kein Muss. Jeder Mensch hat die Gelegenheit, mit den eigenen inneren Farben das Bodenbild zu malen, und dadurch die Freiheit der Gotteskindschaft zu erfahren. Jeder von uns hat einen Platz, jeder gibt etwas von sich selbst, gemeinsam gestalten wir etwas Schönes. Am Bodenbild wird all unsere Tätigkeit sichtbar, und tastbar, und was ist das, denn nicht das Leben selbst. In den Kindern – und auch in uns Pädagogen – wird die Erfahrung gestärkt, dass ich gut bin, mit meinen Werte, Fähigkeiten, denn so wird rund die Welt.

Es war für mich eine Entdeckung, dass man die Kett-Religionspädagogik nicht erlernen kann. Man kann sie nur erleben. Solange die Wahrheit einer biblischen Geschichte in mir nicht zum Leben wird, kann ich sie nicht zu einem Erlebnis für die Kinder machen.

In der heutigen hektischen Welt ist es nicht leicht, es zu verwirklichen, dass die Jugendlichen „ankommen” können, ganz wahrhaftig an der Vorlesungen teilnehmen. Das ist bei den Kleineren noch schwieriger. Während der Aktivitäten hat Herr Kett großen Wert darauf gelegt, die Jugendlichen darauf zu weisen, dass sie gegeneinander und mit den Dinge unserer Umwelt mit großer Achtsamkeit umgehen. Wie einer von uns gesagt hat: nicht nur ein Gegenstand trifft sich mit uns, wenn wir etwas unseren Mitmenschen hinüberreichen, sondern es treffen sich Gesichter, Hände. Alle Aktivitäten geschahen in aller Ruhe, Stille, und nötige Langsamkeit (in positivem Sinne), mit viel Aufmerksamkeit und trotzdem war es überhaupt nicht langweilig. Die Rede war eher im Hintergrund, damit die Aufmerksamkeit für das Tun und die anderen in den Vordergrund träte. Für mich ist die Aufmerksamkeit und die Fürsorge für die anderen sehr wichtig, all das ist für mich auch Quelle der Stille, Vertiefung und Ruhe. Ich denke, man kann nur in dieser Atmosphäre wirken, und die innere Seele der Jugendlichen anrühren.“

Benedek Ramóna, Katechetin aus Oradea, Teilnehmerin des zweiten Teiles des Programms:
Es war ein Geschenk für mich, dass ich ein zweites Mal an diesem Programm teilnehmen konnte, ich habe mich wohl gefühlt, und konnte tiefer das Grundprinzip dieser Pädagogik kennenlernen, während der, der Mensch in sich Gott noch tiefer erkennen kann – die Stimme des „großen Herzens“ hören kann – mit dem der Mensch in Übereinstimmung kommt, und daraus seine Lebensfreude fließe. Dieser Weg lernt uns die Kontemplation: dass wir die Güte, das Schöne, die Liebe Gottes bewundern, und dass sie uns durchströmen können. Im praktischen Teil des Kurses sollten wir Aktivitäten entwerfen – das war eine Gelegenheit, dass wir die Theorie, die hinter diesem Weg steht, kennenlernen, voneinander lernen, und die großzügige Hilfe von Herrn Kett erfahren, wo man das brauchte. Diese Erfahrungen haben uns dazu motiviert, dass ich noch öfter diesen Weg in meiner Arbeit verwenden möchte, und meine Jugendlichen noch näher zu Gott, zur Quelle des Lebens begleite will.

Nemes István, Katechet in Tușnad, Teilnehmer des zweiten Teiles des Programms:
„Es war gut die Wieder-Begegnung. Es war gut die Stille, die uns an unseren Alltag nur in unerwarteten Momenten überrascht. Franz Kett begleitete uns in die Kindheit. Der Schwerpunkt liegt nicht am Spiele, sondern es wurde eine solche Dimension der Kindheit verdeutlicht, die mit der Zeit verdunkelt wurde. Ausgangpunkt ist die Betrachtung der Wirklichkeit, die direkte Erfahrungen, die uns von unserer Geschöpftheit aus zur Welt und mit Gott verbindet. So wird ein alltäglicher Gegenstand, Phänomen zu einem Zeichen, und tritt in unserer Lebenswirklichkeit wieder in den Vordergrund, die wegen unserer komplizierten und reflexiven Tätigkeit immer im Hintergrund bleibt: die Betrachtung der Schöpfung. So können wir die Gegenwart Gottes in allem entdecken. Nicht der Gedanke, die Reflexion führt hierhin, sondern die Betrachtung.

Als ich letztes Jahr mit der Kett-Pädagogik arbeitete, war ich öfters überrascht, dass während der Gestaltung des Bodenbildes in den Kindern spontan eine Andacht entsprang. Ich habe nicht verstanden, was diese Kraft ist, was aus den Kindern das Gebet, und die Stille herausbringt. Hier in diesem Kurs habe ich das erste Mal zwischen meinen Erlebnisse und den Erlebnis der Kinder eine Verbindung hergestellt. Das Bodenbild ist keine Darstellung. Das Bodenbild bin ich selber, sind wir, die das Bild gestaltet haben; dieses Bild sagt immer etwas über die Heiligkeit Gottes, über seine Anwesenheit, über unser Dasein, in einer ganz anderen Sprache, die viel geeigneter ist als die Rede über Wirklichkeit Gottes.

Im zweiten Teil der Fortbildung habe ich noch etwas Wichtiges verstanden: die Wichtigkeit der Erfahrung. Die Gegenstände sind Teile der geschöpften Welt, unsere Symbole. Ein Symbol wird lebendig, frisch, und kann die Hindernisse der menschlichen Sprache übersteigen, wenn ich damit eine eigene Erfahrung gemacht habe. Wenn ich stehenbleibe und mich von den Gegenständen berühren lasse, bin ich selbst auch im Inneren dieser Erfahrung eingeschlossen. Lasse ich den Stein stark sein, das Wasser auf meiner Haut fließen, und die Ähre meine Haut berühren. Das Wecken der Gefühle begleitet uns zur Existenz, und diese zur Betrachtung des Schöpfers, der alles so geschaffen hat, dass alles über Ihn rede. Es wäre sehr wichtig, dass in unseren Religionsunterricht diese natürliche, christliche Theologie zur Geltung komme, dass man aus den Geschöpfen zu Gott gelangen kann. Genauso wichtig wäre noch, dass man das nicht „philosophisch“, auf der Ebene der Gedanken tue, sondern den Kindern dazu verhelfen kann, dass sie Gott, sich und einander durch die eigenen Erfahrungen finden. Die Kett-Pädagogik weist auf den Weg zur Welt und zueinander hin, den Weg, der letztendlich zu Gott führt.

Ozsváth Judit

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