Was es heißt, ein Mensch zu sein – Mitgliederversammlung und Fachtagung 2016 in Freising

fachtagung-2016-17Kalte heftige Windböen und zarte Schneeflocken empfingen die teils von weither angereisten Teilnehmer auf dem Domberg, die sich zur Mitgliederversammlung des Instituts für ganzheitlich sinnorientierte Pädagogik versammelten …

Jens Ehebrecht-Zumsande führte gekonnt durch die Tagesordnungspunkte. Seit einiger Zeit beschäftigt sich der Vorstand mit Vorschlägen, die zu einer Arbeitsentlastung führen sollen. Die Delegierung von Aufgaben und Kompetenzen an regionale Gruppen oder Länder-Institute wird in den nächsten Wochen weiter bedacht.

Neue Vorstände und Trainer

fachtagung-2016-01Neuwahlen standen an, die Positionen von Franz Decker (erster Vorsitzender), Katharina Wagner (erste Schriftführerin) und Patricia von Massenbach-Wahl (zweite Schriftführerin) galt es neu zu besetzen. Kerstin Lermer (1. Vorsitzende), Anton Stegmair (1. Kassenwart) und Antje Buggisch (1. Schriftführerin) bleiben weiterhin im Vorstand, neu werden Cyril Havel (2. Vorsitzender), Gerda Graiss-Flöss (2. Kassenwartin) und Walter Liehmann (2. Schriftführer) im Vorstand mitarbeiten. Ihnen und den scheidenden gilt unser großer Dank.

fachtagung-2016-07Erstmals konnten Trainer-Zertifikate verliehen werden, womit jetzt alle im Ausbildungskonzept aufgeführten Ausbildungen einmal durchgeführt und abgeschlossen wurden.

Das christliche Menschenbild im Blick

Die Fachtagung mit Prof. Dr. Reinhold Boschki hatte das christliche Menschenbild im Blick. Nicht nur Theologen beschäftigen sich mit der Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Je nach Zugang und Lebenserfahrung sind die Antworten und Einsichten anders. So spricht der Philosoph Peter Bieri besonders von der Würde des Menschen. Der Holocaust-Überlebende und Schriftsteller Elie Wiesel stellt fest, dass der Mensch zu allem fähig ist, zu Grausamkeit und zu Liebe.

fachtagung-2016-16Gerade diese Ambivalenz mache das Menschsein aus. Nicht Hass sondern Gleichgültigkeit sei das Gegenteil von Liebe. Dorothe Sölle stellt fest, dass der Mensch immer zur Umkehr fähig sei. Mit der Sicht auf die unterschiedlichen Religionen und deren Menschenbilder rief Navid Kermani zu Respekt vor dem Christentum, zu Versöhnung und zum gemeinsamen Gebet auf. Der Unmenschlichkeit gilt es gerade in diesen Tagen die Stirn zu bieten.

Mit der Frage nach dem Kern theologischer Anthropologie weist Prof. Boschki auf folgende fünf Beziehungsdimensionen hin:

  • Beziehung zu sich selbst
  • Beziehung zu anderen Menschen
  • Beziehung zur Welt, in der wir leben
  • Beziehung zur Zeit
  • Beziehung zu Gott

Raum und Zeit

fachtagung-2016-08Die Dimension der Zeit fordert uns neu heraus, Kurzlebigkeit bestimmt den Alltag. Ökonomische Zwänge sind dominant, Raum und Zeit driften auseinander. Wir sind überall und nirgends, mittels neuer Kommunikationsmittel können wir uns der Gegenwart entziehen oder in eine völlig andere Gegenwart überall auf der Welt eindringen. In Bezug auf Bildung ist festzuhalten, dass ohne Zeit keine Bildung zu haben ist.

Diesen Entwicklungen steht eine christliche Anthropologie diametral entgegen. Die Beziehung zu Gott will Dauer, Verlässlichkeit und Beständigkeit, es gilt Zeit-Räume für diese Beziehung zu suchen. Heutige Identitäten sind flüchtig und fragil, Individualität steht über allem. Die Aufgabe von Religionspädagogen ist es, Teilidentitäten zu fördern um Subjektwerdung zu ermöglichen. Mit unserer Daseins-Pädagogik machen wir Zusagen: Du bist da. Gut, dass es dich gibt. Bis ein Individuum dies von sich selbst sagen kann, ist es ein langer Weg. Diesen gilt es zu begleiten, fragend und in großer Offenheit.

In Kleingruppen wurde überlegt, welche dieser fünf Beziehungsdimensionen wann in unserer alltäglichen Arbeit aufscheinen und wie es heute gelingen kann, die religiöse Dimension den Kindern und jungen Menschen anzubieten.

Die Fachtagung hat uns viele Impulse zu weiterem Nachdenken gegeben.

Lieder und Gottesdienst

fachtagung-2016-19Am Abend brachte Chorleiter N. Huber aus Freising ein Feuerwerk an Liedern, Begleitungen und eine herzerweichende Pinguinchoreografie zu uns. Seine Begeisterung und seine lockere Art waren ansteckend. Es war eine riesige Freude! Diese Stunde wird uns in allerbester Erinnerung bleiben.

Am Sonntag fanden wir uns zur Messe ein, die ein Team mit Petra Ostermann berührend gestaltete. Wo kann ich sein, wo bekomme ich Raum und wann gilt es Grenzen und Rahmen zu sprengen. Berührt und betupft machten wir uns an die Rückschau und die Verabschiedung von Franz Decker, unserem scheidenden 1. Vorsitzenden. Ihm galt der besondere Dank für seine Arbeit für unser Institut. Zeit ist flüchtig und bald mussten wir uns voneinander und dem Karl-Döpfner-Haus verabschieden.

Beglückt und voller neuer Ideen und Fragen ging es heimwärts, in der Hoffnung, dass wir uns 2017 in Würzburg wiedersehen werden.

Esther Aeschlimann

Spenden, Download und ein neuer Termin

Während des Wochenendes verkaufte Margot Eder wieder zu Gunsten ihrer gegründeten Schule in Mkhukhi (Malawi) und zu Gunsten des Instituts mit viel Liebe selbstgestrickte Decken, Mützen und anderes. Es kamen für Malawi 320 Euro und für unser Institut 220 Euro zusammen. Allen Käufern und Spendern ein herzliches Dankeschön. Wer sich über weitere Informationen zur Schule interessiert, kann über diese Facebook-Seite mehr erfahren.

Den Fachvortrag „Das christliche Menschenbild im pädagogischen Alltag – Was es heißt, ein Mensch zu sein“ von Prof. Dr. Boschki finden Mitglieder des IgsP auf der Webseite im Mitgliederbereich zum Download.

Schon mal vormerken: Die nächste Fachtagung findet am 4. Februar 2017 in Würzburg statt!

Antje Buggisch

PS: Hier gibt es eine Bildergalerie mit weiteren Fotos!

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